Ole Jansen
Guest
Wed Dec 21, 2011 9:37 am
Moin,
für ein privates Bastelprojekt habe ich einen
Audioverstärker entsprechend folgender Schaltung gebaut:
<http://www.bonavolta.ch/hobby/en/audio/ecl82.htm>
wie in ECL82 Push-Pull 2 beschrieben, Anodenspannung 200V.
Allerdings: Ausgangsübertrager hat zweite Wicklung für 100V
und die Röhren sind aus Russland (6F3P, sollen ja identisch zu
ECL82 sein)
Zu dieser Schaltung habe ich ein paar Fragen:
Der Verstärker klingt nicht verzerrt, hat aber
zu wenig Bass und ist etwas zu leise (Macht keine 4W).
Welche Werte sollte ich sinnvollerweise anpassen?
Wozu genau dient die Rückführung vom Ausgangsübertrager
an die linke Triode? Ist die zum Entbrummen?
Muß ich etwas Besonderes beachten, wenn ich den 100V Ausgang
benutzen will?
Kenn jemand eine gute Schaltungsbeschreibung für solche
Verstärker, Sollspannungen usw?
Danke!
O.J.
Andreas Ruetten
Guest
Wed Dec 21, 2011 10:15 am
Hallo,
Am 21.12.2011 09:37, schrieb Ole Jansen:
Quote:
Moin,
Zu dieser Schaltung habe ich ein paar Fragen:
Der Verstärker klingt nicht verzerrt, hat aber
zu wenig Bass und ist etwas zu leise (Macht keine 4W).
Gemessen oder subjektives Gefühl?
Wird wirklich die Röhrengleichrichtung verwendet?
Stimmt die Anodenspannung?
Quote:
Welche Werte sollte ich sinnvollerweise anpassen?
Welche Meßgeräte hast du zur Verfügung?
Quote:
Wozu genau dient die Rückführung vom Ausgangsübertrager
an die linke Triode? Ist die zum Entbrummen?
-> man Gegenkopplung
Quote:
Muß ich etwas Besonderes beachten, wenn ich den 100V Ausgang
benutzen will?
Wozu benutzen?
100V wird doch wohl eher in der ELA Technik verwendet,
und mit 4W kommt man da nicht weit.
Andreas
Werner Flügel
Guest
Wed Dec 21, 2011 10:19 am
Am 21.12.2011 10:15, schrieb Andreas Ruetten:
Quote:
Der Verstärker klingt nicht verzerrt, hat aber
zu wenig Bass und ist etwas zu leise (Macht keine 4W).
Gemessen oder subjektives Gefühl?
Wird wirklich die Röhrengleichrichtung verwendet?
Macht das leistungsmäßig nen Unterschied? Oder anders gefragt: wie wirkt
es sich aus wenn man die Röhrengleichrichtung durch Halbleiterdioden
ersetzt?
Gruß
Werner
--
Der etwas andere Urlaub:
http://www.sinai-kamel-safari.de/
Stefan Heimers
Guest
Wed Dec 21, 2011 10:40 am
Ole Jansen wrote:
Quote:
Moin,
für ein privates Bastelprojekt habe ich einen
Audioverstärker entsprechend folgender Schaltung gebaut:
http://www.bonavolta.ch/hobby/en/audio/ecl82.htm
wie in ECL82 Push-Pull 2 beschrieben, Anodenspannung 200V.
Allerdings: Ausgangsübertrager hat zweite Wicklung für 100V
und die Röhren sind aus Russland (6F3P, sollen ja identisch zu
ECL82 sein)
Für Experimente und Neubauten sollte man nicht diese seltenen Sammlerstücke
verbrauchen, die werden als Ersatzteile für alte Geräte benötigt. Wenn man
etwas neu aufbaut, sollte man Röhren nehmen die noch hergestellt werden,
also z.B. EL84, ECC82, EL34... . Damit macht man auch sich selbst später die
Ersatzteilbeschaffung einfacher.
Quote:
Zu dieser Schaltung habe ich ein paar Fragen:
Der Verstärker klingt nicht verzerrt, hat aber
zu wenig Bass und ist etwas zu leise (Macht keine 4W).
Welche Werte sollte ich sinnvollerweise anpassen?
Die Schaltung ist etwas unklar bei der Stromversorgung. Das + vom
Ausgangsübertrager gehört ans + gleich hinter der Drossel, das bei R8 zu dem
bei R19. Stimmt das bei Dir?
Wenn ja, würde ich den Ausgangsübertrager selbst verdächtigen. Vielleicht
stimmen die Impedanzen nicht, oder er ist für Sprachübertragung ausgelegt
und ist deshalb schwach bei den Bässen.
Quote:
Wozu genau dient die Rückführung vom Ausgangsübertrager
an die linke Triode? Ist die zum Entbrummen?
Gegenkopplung. Dadurch werden Verzerrungen reduziert, aber auch die
Verstärkung.
Quote:
Muß ich etwas Besonderes beachten, wenn ich den 100V Ausgang
benutzen will?
Ja, du brauchst dann einen speziellen Lautsprecher, oder wieder einen trafo
der das auf 8 Ohm heruntertransformiert. 100V ist nur sinnvoll wenn eine
lange Leitung zwischen Verstärker und Lautsprecher liegt, also z.B. für die
Beschallung grosser Räume / Kirchen / Schulhäusern.
Stefan
Ole Jansen
Guest
Wed Dec 21, 2011 10:42 am
Am 21.12.2011 10:15, schrieb Andreas Ruetten:
Quote:
Hallo,
Am 21.12.2011 09:37, schrieb Ole Jansen:
Moin,
Zu dieser Schaltung habe ich ein paar Fragen:
Der Verstärker klingt nicht verzerrt, hat aber
zu wenig Bass und ist etwas zu leise (Macht keine 4W).
Gemessen oder subjektives Gefühl?
Gemessen mit Speicheroszi an 8 Ohm.
Quote:
Wird wirklich die Röhrengleichrichtung verwendet?
Nein, Diodengleichrichter mit Siebkette und 2x 50µF. Passt scho.
Quote:
Stimmt die Anodenspannung?
Ja.
Quote:
Welche Werte sollte ich sinnvollerweise anpassen?
Welche Meßgeräte hast du zur Verfügung?
RMS Voltmeter, Speicheroszi, Wobbelgenerator, Klirrfaktormessbrücke.
Quote:
Wozu genau dient die Rückführung vom Ausgangsübertrager
an die linke Triode? Ist die zum Entbrummen?
-> man Gegenkopplung
Ja, aber wie genau ist der Trick?
Im anderen Schaltungsbeispiel ist diese zB. mit RC Gliedern ausgeführt.
Ich glaube, daß mein Problem von den russischen Röhren und der
Gegenkopplung herrührt und würde das gerne systematisch angehen.
Habe leider keine frischen ECL82 zum Gegentesten.
(Nur richtig verbrauchte mit 30% Restleistung)
Quote:
Muß ich etwas Besonderes beachten, wenn ich den 100V Ausgang
benutzen will?
Wozu benutzen?
Für einen abgesetzten Saallautsprecher mit 100V Eingang.
(Übertrager und Lautsprecher sind aus einem Siemens Schulradio.)
Quote:
100V wird doch wohl eher in der ELA Technik verwendet,
eben.
Quote:
und mit 4W kommt man da nicht weit.
Ich hatte mir eine Leistung von etwa 16W erhofft. Das sollte
für meine Zwecke reichen. Alte Lautsprecher sind sehr effizient ;-)
O.J.
Ole Jansen
Guest
Wed Dec 21, 2011 11:48 am
Am 21.12.2011 10:40, schrieb Stefan Heimers:
Quote:
Für Experimente und Neubauten sollte man nicht diese seltenen Sammlerstücke
verbrauchen, die werden als Ersatzteile für alte Geräte benötigt. Wenn man
etwas neu aufbaut, sollte man Röhren nehmen die noch hergestellt werden,
also z.B. EL84, ECC82, EL34... . Damit macht man auch sich selbst später die
Ersatzteilbeschaffung einfacher.
Die 6F3P werden noch hergestellt und sind sehr günstig.
NOS ECL82 sind wirklich schwer zu beschaffen. ECL86/PCL86 wären einfacher.
Quote:
Zu dieser Schaltung habe ich ein paar Fragen:
Der Verstärker klingt nicht verzerrt, hat aber
zu wenig Bass und ist etwas zu leise (Macht keine 4W).
Welche Werte sollte ich sinnvollerweise anpassen?
Die Schaltung ist etwas unklar bei der Stromversorgung. Das + vom
Ausgangsübertrager gehört ans + gleich hinter der Drossel, das bei R8 zu dem
bei R19. Stimmt das bei Dir?
Ja.
Quote:
Wenn ja, würde ich den Ausgangsübertrager selbst verdächtigen. Vielleicht
stimmen die Impedanzen nicht, oder er ist für Sprachübertragung ausgelegt
und ist deshalb schwach bei den Bässen.
Eigentlich nicht.
Quote:
Wozu genau dient die Rückführung vom Ausgangsübertrager
an die linke Triode? Ist die zum Entbrummen?
Gegenkopplung. Dadurch werden Verzerrungen reduziert, aber auch die
Verstärkung.
OK.
Quote:
Muß ich etwas Besonderes beachten, wenn ich den 100V Ausgang
benutzen will?
Ja, du brauchst dann einen speziellen Lautsprecher, oder wieder einen trafo
der das auf 8 Ohm heruntertransformiert. 100V ist nur sinnvoll wenn eine
lange Leitung zwischen Verstärker und Lautsprecher liegt, also z.B. für die
Beschallung grosser Räume / Kirchen / Schulhäusern.
Bei mir ist das Kabel zum Lautsprecher nur ein Telefonkabel und es läßt
sich nur schwer ein Anderes verlegen.
Mir ist halt nicht klar ob ich die Gegenkopplung irgendwie anpassen muß
wenn ich Hochohm (Alleine/zusammen mit lokalem Lautsprecher) benutzen
will.
O.J.
Stefan Heimers
Guest
Wed Dec 21, 2011 12:39 pm
Ole Jansen wrote:
Quote:
Ich glaube, daß mein Problem von den russischen Röhren und der
Gegenkopplung herrührt und würde das gerne systematisch angehen.
Du könntest den Ausgangsübertrager mal abhängen und durch 5k Widerstände
ersetzen.
Dann kannst Du mit dem Oszi prüfen ob beide Röhren den richtigen
Frequenzgang liefern und schön spiegelbildlich arbeiten.
Es ist auch wichtig, dass beide den gleichen Ruhestrom liefern. Anderenfalls
geht der Trafokern in die Sättigung, was die Induktivität reduziert und
somit die untere Grenzfrequenz nach oben schiebt, also die Bässe verdirbt.
Unterschiedliche Ruheströme können natürlich durch zwei Röhren mit
unterschiedlicher Emissionsfähigkeit auftreten.
MaWin
Guest
Wed Dec 21, 2011 12:41 pm
"Ole Jansen" <remove.this.Kaspernasebaer_at_gmx.de> schrieb im Newsbeitrag
news:9ldk5uFfi5U1_at_mid.individual.net...
Quote:
Der Verstärker klingt nicht verzerrt, hat aber
zu wenig Bass und ist etwas zu leise (Macht keine 4W).
Reicht denn der Pegel deines Eingangssignals um den Verstärker voll
durchzusteuern ?
--
Manfred Winterhoff, reply-to invalid, use mawin at gmx dot net
Roland Krause
Guest
Wed Dec 21, 2011 11:46 pm
In article <9ldk5uFfi5U1_at_mid.individual.net>,
Ole Jansen <remove.this.Kaspernasebaer_at_gmx.de> wrote:
Quote:
Moin,
für ein privates Bastelprojekt habe ich einen
Audioverstärker entsprechend folgender Schaltung gebaut:
http://www.bonavolta.ch/hobby/en/audio/ecl82.htm
wie in ECL82 Push-Pull 2 beschrieben, Anodenspannung 200V.
Allerdings: Ausgangsübertrager hat zweite Wicklung für 100V
und die Röhren sind aus Russland (6F3P, sollen ja identisch zu
ECL82 sein)
Zu dieser Schaltung habe ich ein paar Fragen:
Der Verstärker klingt nicht verzerrt, hat aber
zu wenig Bass und ist etwas zu leise (Macht keine 4W).
Welche Werte sollte ich sinnvollerweise anpassen?
Die Ursache für zu wenig Bass kann der Ausgangsübertrager sein
aber auch die zu geringe Leistung. Um gut Bässe zu übertragen,
braucht der Übertrager einen großen Eisenkern.
Wenn die Leistung zu niedrig ist, kann man die Betriebsspannung
erhöhen oder R12 verringern. Dadurch erhöht sich der Anodenstrom
durch die Endröhren.
Die zulässigen Werte bekommt man aus dem Datenblatt der ECL82.
Möglicherweise ist Raa Deines Ausgangsübertrager zu hoch?
Im Datenblatt steht, dass Du bis auf 250V Betriebsspannung hochgehen
kannst. Raa soll dann 10k betragen und es sind etwa 10W möglich.
Quote:
Wozu genau dient die Rückführung vom Ausgangsübertrager
an die linke Triode? Ist die zum Entbrummen?
Nein, das ist eine Gegenkopplung. Das reduziert den Klirrfaktor und
bedämpft den angeschlossenen Lautsprecher. Tip: Wenn Du die
Gegenkopplung auftrennst muss es lauter werden. Das kann man
problemlos im Betrieb machen.
Quote:
Muß ich etwas Besonderes beachten, wenn ich den 100V Ausgang
benutzen will?
Am Lautsprecher muss man dann auch einen 100V-Übertrager spendieren.
Kenn jemand eine gute Schaltungsbeschreibung für solche
Verstärker, Sollspannungen usw?
Das steht alles im Datenblatt: Einfach nach dem Kapitel AB-Betrieb,
Push-Pull, Auto-Bias suchen.
Quote:
Danke!
O.J.
Ole Jansen
Guest
Thu Dec 22, 2011 8:47 am
Am 21.12.2011 12:39, schrieb Stefan Heimers:
Quote:
Dann kannst Du mit dem Oszi prüfen ob beide Röhren den richtigen
Frequenzgang liefern und schön spiegelbildlich arbeiten.
Ja, Das war der richtige Tip!
Ich denke, ich habs gelöst: Mein Problem war anscheinend, daß die
untere Pentode einen zu hohen Ruhestrom hatte. Durch
Ändern/Auftrennen von R21 tat sich zwar ein bischen was, das war
aber nicht das Problem. Ein Austausch von C1 behebt das Problem.
Was genau mit C1 nicht stimmte weiß ich allerdings nicht, die Kapazität
ist lt. Messgerät i.O. und einen Kurzschluss hatte er auch nicht?
Danke für die Hilfe!
O.J.
Reinhard Zwirner
Guest
Thu Dec 22, 2011 7:14 pm
Ole Jansen schrieb:
[...]
Quote:
Was genau mit C1 nicht stimmte weiß ich allerdings nicht, die Kapazität
ist lt. Messgerät i.O. und einen Kurzschluss hatte er auch nicht?
Aber offensichtlich einen Feinschluß. Die Koppelkondensatoren von Anode
auf Steuergitter sollten immer mit Argusaugen beäugt werden ...
Ciao
Reinhard
Horst-D.Winzler
Guest
Thu Dec 22, 2011 8:14 pm
Am 22.12.2011 08:47, schrieb Ole Jansen:
Quote:
Was genau mit C1 nicht stimmte weiß ich allerdings nicht, die Kapazität
ist lt. Messgerät i.O. und einen Kurzschluss hatte er auch nicht?
Feinschlüße gerade bei Kondensatoren, lassen sich zuverlässig nur mit
hohen Spannungen nachweisen.
Prüfgerät zB 500V + Glimmlampe + 1MOhm, oder Isolationsmesser mit
Kurbelinduktor.
--
mfg hdw