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Nachtrag Ingenieurmangel

elektroda.net NewsGroups Forum Index - Electronics DE - Nachtrag Ingenieurmangel

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Bernd Hohmann
Guest

Sun Jun 20, 2010 4:59 pm   



On 20.06.2010 17:53, Andreas Bockelmann wrote:

Quote:
Das uebliche Geschrei. "Hilfeee, wir kriegen keine Leute die 60h/Woche
fuer 3k/Monat schuften!"

Bei euch bekommt man noch 3k bei einer 60h-Woche? Hier heißt das
400-Euro-Basis.

Was sagt ein Ingenieur ohne Arbeit zu einem Ingenieur mit Arbeit?

"Einmal Currywurst mit Pommes Rot-Weiss bitte!"

Bernd

--
Wenn Frauen nicht wissen was sie machen sollen, ziehen sie sich aus ...
Und wenn Männer nicht wissen, was sie machen sollen, dann schauen sie
sich Frauen an, die nicht wussten, was sie machen sollen ...

Joerg
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:03 pm   



Uwe Borchert wrote:
Quote:
Hallo,

Thomas Einzel schrieb:
Joerg schrieb am 20.06.2010 16:53:

Doch es gib einen Mangel an billigen Ingenieuren. Das "billig" wird nur
nicht geschrieben und unhörbar artikuliert.

...[...]...

Das uebliche Geschrei. "Hilfeee, wir kriegen keine Leute die 60h/Woche
fuer 3k/Monat schuften!"
Ach?

Die Grenze ist IMHO schon bei 2,5k/Monat oder niedriger. Das
zieht sich gerade durch meinen Bekanntenkreis. Allerdings ist
das nachrangig, bei den Ü40 ist Arbeitslosigkeit schon weiter
verbreitet.


Seltsam fand ich, dass bei der Stelle die ich im Fruehjahr als Post hier
absetzte nur ein Ingenieur aus Deutschland richtig ernsthaftes Interesse
anmeldete. Dabei lag das Grundgehalt allein schon weit ueber dem
doppelten des bei Euch offenbar ueblichen. Bei geringeren
Lebenshaltungskosten und, da Florida, geringeren Steuern. Haengen die
meisten Leute denn so eng an der germanischen Scholle?

--
Gruesse, Joerg

http://www.analogconsultants.com/

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David Kastrup
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:12 pm   



Bernd Hohmann <bernd.hohmann.20090228_at_freihaendler.com> writes:

Quote:
On 20.06.2010 17:53, Andreas Bockelmann wrote:

Das uebliche Geschrei. "Hilfeee, wir kriegen keine Leute die 60h/Woche
fuer 3k/Monat schuften!"

Bei euch bekommt man noch 3k bei einer 60h-Woche? Hier heißt das
400-Euro-Basis.

Was sagt ein Ingenieur ohne Arbeit zu einem Ingenieur mit Arbeit?

"Einmal Currywurst mit Pommes Rot-Weiss bitte!"

Das war ein Diplom-Physiker zum promovierten Physiker.

--
David Kastrup

Joerg
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:17 pm   



Thomas Einzel wrote:
Quote:
Joerg schrieb am 20.06.2010 17:12:
...
Ich frage mich immer wieder warum das so ist. Gehen in der
Grossindustrie die Ideen aus? Nicht genug Kleinunternehmer die in Sachen
Innovation i.d.R. mehr auf der Pfanne haben? Erfinderisch sind deutsche
Ingenieure schon immer gewesen, das zeigen ja auch etliche Leute hier in
der NG die Kleinunternehmen oder Ingenieurbueros fuehren.

Bei einigen meiner Kunden mache ich bei der
Wirtschaftlichkeitsberechnung von Projekten mit. Die Ingenieurkosten,
inklusive meiner, muessen ueber z.B. vier Jahre amortisiert werden und
gehen dabei meist voellig im Rauschen unter. Sollen sie die Leute
ordentlich bezahlen, dann kommen auch welche und wandern nicht aus. Very
simple.

O.k. ich habe ja kein BWL studiert, aber angeblich ist das da *so* nicht
dran. Und die Unternehmensberater sagen dann auch etwas ganz anderes
(Hauptsitz durchaus/auch bei dir im Lande)


Bei manchen Unternehmensberatern waere ich vorsichtig ...

BWL muss man dazu nicht studiert haben, ich habe weder das noch MBA.


Quote:
Jörg, bist du dir sicher dass du von Earth (#1) sprichst?


Ja, definitiv. Ich darf natuerlich keine Details nennen. Beim letzten
derartigen Projekt belief sich der gesamte Entwicklungsaufwand inklusive
Material und allem auf einige zig tausend. Dafuer erschliesst sich
diesem Kunden jetzt ein breiter neuer Markt. Haendler sind schon
gefunden, es kommt bereits ins Rollen. Wenn es klappt, wovon ich
ausgehe, dann kommt nochmal ein Layout Clean-up, etwas
Kostenoptimierung, Doku fuer die Produktion, und das war's denn schon.

Was aehnliches ist derzeit wieder in Arbeit. Auch noch einige Projekte
mit groesseren Teams wo NRE gut siebenstellig liegt. Erstaunlicherweise
bis auf eines ohne Konkurrenzdruck.

--
Gruesse, Joerg

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Edzard Egberts
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:23 pm   



Joerg schrieb:
Quote:
Thomas Einzel wrote:
Joerg schrieb am 20.06.2010 16:53:
Klaus Butzmann wrote:
...nachdem letzte Woche die Luftfahrtindustrie, Auto- und
Elektronikbranche wieder "händegerungen hat"

Das uebliche Geschrei. "Hilfeee, wir kriegen keine Leute die 60h/Woche
fuer 3k/Monat schuften!"

Ich frage mich immer wieder warum das so ist.

Manchmal fängt eine Problemlösung mit der richtigen Fragestellung an.

Mich hat das an etwas erinnert: Exportierende Industriebranchen brauchen
je nach Konjunktur Zeitarbeiter oder "Fachkräfte" um die gerade
anfallende Arbeit zu erledigen. Ersetze Fachkräfte durch Arbeiter und
erinnere Dich daran, dass eine der wichtigsten Erfindungen der
Großindustrie das Fließband war. Den einfachen Arbeiter konnte man
danach noch etwas mit Maschinen wegrationalisieren und heute hat der
Ingenieur die Stelle des einfachen Arbeiters eingenommen. Ein
Kostenfaktor, der die Arbeit erledigt und das möglichst billig und
effizient erledigen soll.

Gedankensprung BP und Ölpest - mir fällt auf, dass Ingenieure hier gar
nicht wahrgenommen werden, sondern in der gesellschaftlichen Stellung
auf der Ebene von Schraubenschlüsseln und Computern zu stehen scheinen -
die Manager und die Politik sind gefragt und es wird ein Versagen der
Behörden bemerkt, aber es kommt keiner auf die Idee, dass die
Verantwortung falsch verteilt sein könnte, wenn die Manager den
Ingenieueren vorschreiben können, sich über die Richtlinien der Behörden
hinwegzusetzen. Das sind eben einfach die Leute, die die Arbeit machen
und sonst nichts zu sagen haben, entsprechend werden sie bezahlt.
Bezahlt werden Menschen nämlich nicht nach Leistung oder Ausbildung,
sondern nach gesellschaftlicher Stellung.

Quote:
Gehen in der
Grossindustrie die Ideen aus? Nicht genug Kleinunternehmer die in Sachen
Innovation i.d.R. mehr auf der Pfanne haben? Erfinderisch sind deutsche
Ingenieure schon immer gewesen, das zeigen ja auch etliche Leute hier in
der NG die Kleinunternehmen oder Ingenieurbueros fuehren.

Ich würde mal behaupten, dass das weniger werden, denen es schlechter
geht. "Prinzip Oberflächenspannung" - die Großen saugen die Kleinen auf,
weil sie die Möglichkeiten haben, die Welt so zu gestalten, wie es ihnen
am Besten bekommt. Das fängt mit den schon erwähnten Kontakten an, geht
über finanzielle Mittel (Investition) und Konkurrenzfähigkeit, bis zu
ausufernden Vorschriften und Regelungen. Bei allem sind die Kleinen
deutlich benachteiligt und das Thema "Erfindungen" ist durch
weitreichende Patentansprüche ebenfalls ziemlich verbrannt.

Mache eine gute Erfindung, vermarkte sie und Du bist ruiniert, wenn ein
Anwalt aus der Truppe eines großen Konzerns etwas ähnliches allgemein
formuliert hat. Die "Idee" wird meines Erachtens weit überschätzt - erst
die Realisierung kann verkauft werden und bis dahin ist es ein langer
Weg. Geschützt wird heute aber schon die Idee und verhindert die
Realisierung.

Quote:
Bei einigen meiner Kunden mache ich bei der
Wirtschaftlichkeitsberechnung von Projekten mit. Die Ingenieurkosten,
inklusive meiner, muessen ueber z.B. vier Jahre amortisiert werden und
gehen dabei meist voellig im Rauschen unter.

Ja toll, das letzte Projekt, das wir vor dem Konkurs durchgerechnet
haben, war ein Controllerauftrag mit größeren Stückzahlen. Beim
Nachrechnen kam aber heraus, dass wir selbst mit Einkauf von großen
Stückzahlen die Bauteile nicht finanziert kriegen - von
Entwicklungskosten und Gewinn ganz zu schweigen. Das Projekt hätte ich
gerne gemacht, aber das war einfach nur die dreiste Frage, ob wir im
Gegensatz zum bisherigen Zulieferer (große Firma mit eigenen Lötstraßen)
nicht ohne Gewinn arbeiten können und zum Ausgleich die Einkäufe
finanzieren - volles Risiko, kein Geld, NEIN DANKE! Surprised(

Quote:
Sollen sie die Leute
ordentlich bezahlen, dann kommen auch welche und wandern nicht aus. Very
simple.

Sie WOLLEN die Leute nicht ordentlich bezahlen, sondern eine möglichst
hohe Dividende! Very simple.

Uwe Borchert
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:26 pm   



Hallo,

Joerg schrieb:
Quote:
Uwe Borchert wrote:

....[...]...

Quote:
Denk daran: Auf einen offiziell gezählten Ing. hast Du in
D etwa 10 nicht gezählte. Das schwankt aber stark, je nach
Branche. Bei Etis ist da der Faktor sogar um einiges höher
und müsste bei 1 zu 20 liegen.


Aehm, man muss doch bei Euch in der Steuererklaerung so wie bei uns den
Beruf angeben. Zeile 14? Da kann man an sich keine 90-95% der Ingenieure
"vergessen". Dann sind da die ueber Jahrzehnte veroeffentlichten
Abschlusszahlen der Unis. Oder hat die Presse das Thema Recherche
inzwischen voellig aufgegeben?

Für diese Zahlen ist mit keine Quelle untergekommen. Die
Zahlen des FA sind IIRC nicht verfügbar, vmtl wegen des
Datenschutz. Auch die aufintegrierten Zahlen der
Absolventen werden offiziell nicht berechnet/angegeben.

Real beruft man sich immer auf die Zahlen der BA. Und diese
registriert nur die ihrer Einschätzung nach vermittelbaren
Ings als AL. Da hast Du dann fast automatisch immer die
Quote der sgg Friktionsarbeitslosigkeit von 3 bis 4%. Das
liegt an der Messvorschrift.

Wenn man aber die Zahl der im Arbeitsmarkt registrierten
Ings (also auch die Arbeitslosen mit einberechnet) mit
geschätzen Absolventensummen vergleicht sieht es anders
aus. Oder aber man berechnet aus den aktuellen
Absolventenzahlen und dem gemeldeten Arbeitsmarkt die
durchschnittliche Verweildauer im Arbeitsmarkt. Da liegen
die Zeiten für MINT-Absolventen typischerweise zwischen
2 und 5 Jahren. Selbst LRT kommt nicht mal an die 15
Jahre ran. Von den idealen 30 Jahren (incl. Frühausfälle)
sind alle Fächer ganz weit weg.


MfG


Uwe Borchert

Joerg
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:27 pm   



Uwe Borchert wrote:
Quote:
Hallo,

Joerg schrieb:

...[...]...

Ich frage mich immer wieder warum das so ist. Gehen in der
Grossindustrie die Ideen aus?

Jein, die haben die Ideen ausgelagert. An kleine Entwickler
oder über Drittmittelforschung an Unis. Diese Tendenz war
bereits in den 1990ern nicht mehr zu übersehen.


Stand gestern in der Alumnizeitung von der RWTH Aachen, dass das
Rheinland Spitzenreiter im Bereich der Drittmittelforschung sein soll.
Ist ja an sich nichts gegen zu sagen, solange es nicht bei Forschung im
Elfenbeinturm bleibt. Kleinunternehmer sind nach meiner Erfahrung
besser, wenn es um Wissenstransfer in Produkte hinein geht.

Wir bedienen uns auch schonmal der Hilfe von Unis, wenn es irgendwo hart
an die bisherigen Machbarkeitsgrenzen geht.


Quote:
... Nicht genug Kleinunternehmer die in Sachen
Innovation i.d.R. mehr auf der Pfanne haben?

Es scheint immer mehr die Tendenz zur Resteverwertung zu
gehen. Aktuell sind Patente und Gebrauchsmuster aus den
1990ern in der Verwertung, neuere Entwicklungen aus diesem
Jahrtausend sind vmtl. (noch?) in der Minderheit.


Tja, Patente bringen einem Bruttosozialprodukt oft nicht so die Welt.
Designs bringen das weiter.


Quote:
... Erfinderisch sind deutsche
Ingenieure schon immer gewesen, das zeigen ja auch etliche Leute hier in
der NG die Kleinunternehmen oder Ingenieurbueros fuehren.

Bei einigen meiner Kunden mache ich bei der
Wirtschaftlichkeitsberechnung von Projekten mit. Die Ingenieurkosten,
inklusive meiner, muessen ueber z.B. vier Jahre amortisiert werden und
gehen dabei meist voellig im Rauschen unter. Sollen sie die Leute
ordentlich bezahlen, dann kommen auch welche und wandern nicht aus. Very
simple.

LOL! Fang jetzt mal nicht mit Logik an. Bei der heutigen
BWL-orientierten Unternehmensführung passt die Logik nicht
zum Glauben, muss daher außen vor bleiben.

Ps:. Ich glaube mich erinnern zu können das hier 1/2 bis
1 Jahr veranschlagt wird.


Huch? Wer hat denn so einen Unsinn verzapft? Das waere eine schwere
Innovationsbremse. Ich hoffe schwer dass es nicht das Finanzministerium
war ...

--
Gruesse, Joerg

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Joerg
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:31 pm   



Andreas Bockelmann wrote:
Quote:
Joerg schrieb:

Das uebliche Geschrei. "Hilfeee, wir kriegen keine Leute die 60h/Woche
fuer 3k/Monat schuften!"

Bei euch bekommt man noch 3k bei einer 60h-Woche? Hier heißt das
400-Euro-Basis.


Aber doch hoffentlich nicht fuer Ingenieure ...

Allerdings werden hier aeltere Ingenieure nicht so rausgeworfen wie in
Europa. Ich suche zur Zusammenarbeit (Networking, in new-speak)
bevorzugt aeltere. Mein Layouter ist ueber 60 und damit muss ich dem nie
gross erklaeren was im Bereich der Schaltregler EMV-kritisch ist. Der
weiss das einfach.

--
Gruesse, Joerg

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Joerg
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:33 pm   



David Kastrup wrote:
Quote:
Bernd Hohmann <bernd.hohmann.20090228_at_freihaendler.com> writes:

On 20.06.2010 17:53, Andreas Bockelmann wrote:

Das uebliche Geschrei. "Hilfeee, wir kriegen keine Leute die 60h/Woche
fuer 3k/Monat schuften!"
Bei euch bekommt man noch 3k bei einer 60h-Woche? Hier heißt das
400-Euro-Basis.
Was sagt ein Ingenieur ohne Arbeit zu einem Ingenieur mit Arbeit?

"Einmal Currywurst mit Pommes Rot-Weiss bitte!"

Das war ein Diplom-Physiker zum promovierten Physiker.


Nein, da ist es anders:

"Zum Hauptbahnhof, bitte."

--
SCNR, Joerg

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Rafael Deliano
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:34 pm   



Quote:
Kann sein dass ich hier demnaechst mal wieder ein Stellenangebot als
Post setze, allerdings nicht in Alemania ...

Es wird hier dank Outsourcing/Zeitarbeit/Arbeitnehmerüberlassung
noch wesentlich schlechter bevor es wieder besser werden kann.

Amüsant fand ich Elon Musk:
http://www.pehub.com/74756/elon-musk-on-why-his-rockets-are-faster-cheaper-and-lighter-than-what-youve-seen-before/
\ We're quite vertically integrated, which increases the number
\ of problems you have to solve, but you also have fewer middlemen.
\ I think the aerospace guys got into this craze of outsourcing
\ everything, then even the suppliers would outsource, and eventually
\ it got to where you had to go four companies down before you found
\ someone cutting metal. And there's an old maxim that if you want
\ efficientcy, you have to cut out the middleman, and so we've done
\ that at SpaceX.

D.h. die Zukunft ist wohl doch wieder recht altmodisch.

MfG JRD

Joerg
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:45 pm   



Edzard Egberts wrote:
Quote:
Joerg schrieb:
Thomas Einzel wrote:
Joerg schrieb am 20.06.2010 16:53:
Klaus Butzmann wrote:
...nachdem letzte Woche die Luftfahrtindustrie, Auto- und
Elektronikbranche wieder "händegerungen hat"

Das uebliche Geschrei. "Hilfeee, wir kriegen keine Leute die 60h/Woche
fuer 3k/Monat schuften!"

Ich frage mich immer wieder warum das so ist.

Manchmal fängt eine Problemlösung mit der richtigen Fragestellung an.

Mich hat das an etwas erinnert: Exportierende Industriebranchen brauchen
je nach Konjunktur Zeitarbeiter oder "Fachkräfte" um die gerade
anfallende Arbeit zu erledigen. Ersetze Fachkräfte durch Arbeiter und
erinnere Dich daran, dass eine der wichtigsten Erfindungen der
Großindustrie das Fließband war. Den einfachen Arbeiter konnte man
danach noch etwas mit Maschinen wegrationalisieren und heute hat der
Ingenieur die Stelle des einfachen Arbeiters eingenommen. Ein
Kostenfaktor, der die Arbeit erledigt und das möglichst billig und
effizient erledigen soll.

Gedankensprung BP und Ölpest - mir fällt auf, dass Ingenieure hier gar
nicht wahrgenommen werden, sondern in der gesellschaftlichen Stellung
auf der Ebene von Schraubenschlüsseln und Computern zu stehen scheinen -
die Manager und die Politik sind gefragt und es wird ein Versagen der
Behörden bemerkt, aber es kommt keiner auf die Idee, dass die
Verantwortung falsch verteilt sein könnte, wenn die Manager den
Ingenieueren vorschreiben können, sich über die Richtlinien der Behörden
hinwegzusetzen. Das sind eben einfach die Leute, die die Arbeit machen
und sonst nichts zu sagen haben, entsprechend werden sie bezahlt.
Bezahlt werden Menschen nämlich nicht nach Leistung oder Ausbildung,
sondern nach gesellschaftlicher Stellung.


Da kommt die Ethik ins Spiel. Man muss auch mal Nein sagen koennen, wenn
man Gefahr sieht. So wie ich Leuten sage, dass ich ein EKG oder sonstwas
nur entwickle wenn es ein defibrillatorsicheres Geraet wird. Dabei
gibt's keinen Kompromiss. Auch damals nicht als EN60601 das noch nicht
vorschrieb.


Quote:
Gehen in der
Grossindustrie die Ideen aus? Nicht genug Kleinunternehmer die in Sachen
Innovation i.d.R. mehr auf der Pfanne haben? Erfinderisch sind deutsche
Ingenieure schon immer gewesen, das zeigen ja auch etliche Leute hier in
der NG die Kleinunternehmen oder Ingenieurbueros fuehren.

Ich würde mal behaupten, dass das weniger werden, denen es schlechter
geht. "Prinzip Oberflächenspannung" - die Großen saugen die Kleinen auf,
weil sie die Möglichkeiten haben, die Welt so zu gestalten, wie es ihnen
am Besten bekommt. Das fängt mit den schon erwähnten Kontakten an, geht
über finanzielle Mittel (Investition) und Konkurrenzfähigkeit, bis zu
ausufernden Vorschriften und Regelungen. Bei allem sind die Kleinen
deutlich benachteiligt und das Thema "Erfindungen" ist durch
weitreichende Patentansprüche ebenfalls ziemlich verbrannt.

Mache eine gute Erfindung, vermarkte sie und Du bist ruiniert, wenn ein
Anwalt aus der Truppe eines großen Konzerns etwas ähnliches allgemein
formuliert hat. Die "Idee" wird meines Erachtens weit überschätzt - erst
die Realisierung kann verkauft werden und bis dahin ist es ein langer
Weg. Geschützt wird heute aber schon die Idee und verhindert die
Realisierung.

Bei einigen meiner Kunden mache ich bei der
Wirtschaftlichkeitsberechnung von Projekten mit. Die Ingenieurkosten,
inklusive meiner, muessen ueber z.B. vier Jahre amortisiert werden und
gehen dabei meist voellig im Rauschen unter.

Ja toll, das letzte Projekt, das wir vor dem Konkurs durchgerechnet
haben, war ein Controllerauftrag mit größeren Stückzahlen. Beim
Nachrechnen kam aber heraus, dass wir selbst mit Einkauf von großen
Stückzahlen die Bauteile nicht finanziert kriegen - von
Entwicklungskosten und Gewinn ganz zu schweigen. Das Projekt hätte ich
gerne gemacht, aber das war einfach nur die dreiste Frage, ob wir im
Gegensatz zum bisherigen Zulieferer (große Firma mit eigenen Lötstraßen)
nicht ohne Gewinn arbeiten können und zum Ausgleich die Einkäufe
finanzieren - volles Risiko, kein Geld, NEIN DANKE! Surprised(


Ok, so ein Projekt muss man ablehnen. Habe ich auch schon gemacht, so
interessant es auch gewesen waere.


Quote:
Sollen sie die Leute
ordentlich bezahlen, dann kommen auch welche und wandern nicht aus. Very
simple.

Sie WOLLEN die Leute nicht ordentlich bezahlen, sondern eine möglichst
hohe Dividende! Very simple.


Ist kurzsichtig. Z.B. gibt es in Deutschland m.W. schon lange keine
Hardware-Entwicklung im Bereich Medizinscher Ultraschall mehr, alle weg.
Das war mal mein Arbeitsgebiet dort :-(

--
Gruesse, Joerg

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Uwe Borchert
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:47 pm   



Hallo,

Joerg schrieb:
Quote:
Uwe Borchert wrote:

....[...]...

Quote:
Ps:. Ich glaube mich erinnern zu können das hier 1/2 bis
1 Jahr veranschlagt wird.

Huch? Wer hat denn so einen Unsinn verzapft?

Die Aussagen sind aus den letzten paar Jahren und kamen IIRC
von Vertrieblern und HR-lern. Um diese Vorgaben zu erfüllen
haben deren AG anscheindend dann auf Praktikanten, Studenten
und/oder 400-Euro-Jobber gesetzt. Allerdings haben Diese den
Zeitraum aber Markteinführung und anlaufenden Verkauf gerechnet.
Die reine Entwicklungszeit wäre also noch dazu gekommen.

Die typische Formulierung war irgendwie so: Im zweiten Jahr
nach der Serienreife und dem Verkauf müsse das Geld für die
Entwicklung wieder in der Kasse sein. Ich war auch etwas
verwundert, da ich noch so Zahlen wie 5 Jahre im Kopf hatte.


MfG


Uwe Borchert

MaWin
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:48 pm   



"Joerg" <invalid_at_invalid.invalid> schrieb im Newsbeitrag
news:886pfnFbttU1_at_mid.individual.net...
Quote:

Ich frage mich immer wieder warum das so ist.
Gehen in der Grossindustrie die Ideen aus?

Ja.
Ingenieuer erfinden.
In Grossunternehmen haben aber BWLer das Sagen, die können nicht
erfinden, sondern nur die Produktion kostenmässig optimieren.
http://www.elektroniknet.de/berufkarriere/unternehmensfuehrung/article/26393/

Quote:
Nicht genug Kleinunternehmer die in Sachen Innovation

Richtig. Traut sich kaum jemand.
Im Elektronikbereich sind sie abgeschreckt durch undursichtige
Vorschriften von RoHS über WEEE bis Verpackungsverordnung
(obwohl es ja solche Übersichen gibt wie:)
http://www.ce-zeichen.de/klassifizierung.html
Und seit DotCOM platzte, gibt es auch kein Geld mehr für windige
Ideen.

Quote:
Erfinderisch sind deutsche Ingenieure schon immer gewesen

Na, noch erfinderischer sind Rechtsanwälte, die wachsen nämlich
wie Pilze aus dem Boden, Abmahn-Unrecht und anderem sei Dank,
logische Folge wenn Juristen den gössten Anteil an Politikern
stellen:
http://www.brak.de/seiten/pdf/Statistiken/2009/Entwicklung.pdf


Quote:
Die Ingenieurkosten, inklusive meiner, muessen ueber z.B. vier Jahre
amortisiert werden und gehen dabei meist voellig im Rauschen unter.

Bei erfolgreichen Projekten. Bei Misserfolgen (die man auch
mitzählen muss....)
--
Manfred Winterhoff, reply-to invalid, use mawin at gmx dot net
homepage: http://freenet-homepage.de/mawin/
de.sci.electronics FAQ: http://dse-faq.elektronik-kompendium.de/
Read 'Art of Electronics' Horowitz/Hill before you ask.
Lese 'Hohe Schule der Elektronik 1+2' bevor du fragst.

Joerg
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:48 pm   



Uwe Borchert wrote:
Quote:
Hallo,

Joerg schrieb:
Uwe Borchert wrote:

...[...]...

Denk daran: Auf einen offiziell gezählten Ing. hast Du in
D etwa 10 nicht gezählte. Das schwankt aber stark, je nach
Branche. Bei Etis ist da der Faktor sogar um einiges höher
und müsste bei 1 zu 20 liegen.

Aehm, man muss doch bei Euch in der Steuererklaerung so wie bei uns den
Beruf angeben. Zeile 14? Da kann man an sich keine 90-95% der Ingenieure
"vergessen". Dann sind da die ueber Jahrzehnte veroeffentlichten
Abschlusszahlen der Unis. Oder hat die Presse das Thema Recherche
inzwischen voellig aufgegeben?

Für diese Zahlen ist mit keine Quelle untergekommen. Die
Zahlen des FA sind IIRC nicht verfügbar, vmtl wegen des
Datenschutz. Auch die aufintegrierten Zahlen der
Absolventen werden offiziell nicht berechnet/angegeben.


Datenschutz? Was ist denn so schlimm wenn man die anonym zaehlt und dann
die Gesamtzahl veroeffentlicht? Computer haben die ja inzwischen :-)


Quote:
Real beruft man sich immer auf die Zahlen der BA. Und diese
registriert nur die ihrer Einschätzung nach vermittelbaren
Ings als AL. Da hast Du dann fast automatisch immer die
Quote der sgg Friktionsarbeitslosigkeit von 3 bis 4%. Das
liegt an der Messvorschrift.


Das kann man vergessen, gibt keine brauchbare Statistik.


Quote:
Wenn man aber die Zahl der im Arbeitsmarkt registrierten
Ings (also auch die Arbeitslosen mit einberechnet) mit
geschätzen Absolventensummen vergleicht sieht es anders
aus. Oder aber man berechnet aus den aktuellen
Absolventenzahlen und dem gemeldeten Arbeitsmarkt die
durchschnittliche Verweildauer im Arbeitsmarkt. Da liegen
die Zeiten für MINT-Absolventen typischerweise zwischen
2 und 5 Jahren. Selbst LRT kommt nicht mal an die 15
Jahre ran. Von den idealen 30 Jahren (incl. Frühausfälle)
sind alle Fächer ganz weit weg.


2-5 Jahre? ... <am_Kaffee_verschluck> ... Bitte sage dass das ein Scherz
war. Da wuerde sich ein Studum doch ueberhaupt nicht mehr lohnen.

--
Gruesse, Joerg

http://www.analogconsultants.com/

"gmail" domain blocked because of excessive spam.
Use another domain or send PM.

MaWin
Guest

Sun Jun 20, 2010 5:52 pm   



"Joerg" <invalid_at_invalid.invalid> schrieb im Newsbeitrag
news:886sf4FtqbU1_at_mid.individual.net...

Quote:
Haengen die meisten Leute denn so eng an der germanischen Scholle?


Nicht alle leben unter der Brücke.

Wer ein Haus hat, der hat viel zu verlieren wenn er den Ort wechselt,
dafür lohnt sich der unsichere Lohn nicht,
zumal man ab einem bestimmten Alter schon einen Teil aus Kapitalvermögen
verdient,
wer Kinder hat, muss auch über seinen Schatten springen.
vergiss nicht, daß man hier, selbst wenn man nicht arbeitet,
trotzdem besser leben kann als in den meisten Ländern der Welt.
--
Manfred Winterhoff, reply-to invalid, use mawin at gmx dot net
homepage: http://freenet-homepage.de/mawin/
de.sci.electronics FAQ: http://dse-faq.elektronik-kompendium.de/
Read 'Art of Electronics' Horowitz/Hill before you ask.
Lese 'Hohe Schule der Elektronik 1+2' bevor du fragst.

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