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David Kastrup
Guest
Sun Jun 20, 2010 5:52 pm
Edzard Egberts <ed_09_at_tantec.de> writes:
Quote:
Gedankensprung BP und Ölpest - mir fällt auf, dass Ingenieure hier gar
nicht wahrgenommen werden, sondern in der gesellschaftlichen Stellung
auf der Ebene von Schraubenschlüsseln und Computern zu stehen scheinen
- die Manager und die Politik sind gefragt und es wird ein Versagen
der Behörden bemerkt, aber es kommt keiner auf die Idee, dass die
Verantwortung falsch verteilt sein könnte, wenn die Manager den
Ingenieueren vorschreiben können, sich über die Richtlinien der
Behörden hinwegzusetzen. Das sind eben einfach die Leute, die die
Arbeit machen und sonst nichts zu sagen haben, entsprechend werden sie
bezahlt. Bezahlt werden Menschen nämlich nicht nach Leistung oder
Ausbildung, sondern nach gesellschaftlicher Stellung.
Nein, nach der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Die Verantwortung eines Ingenieurs beruht auf dem Aufwand für eine
tatsächliche Behebung des Schadens, betriebswirtschaftliche
Verantwortung ersetzt die Schadensbehebung mit strategischer Verteilung
von Entschädigungszahlungen, politische Verantwortung ersetzt
Schadensbehebung und Entschädigung mit strategischer Verteilung von
Entschlossenheit und Betroffenheit.
Die Währung für Gehalt und gesellschaftlichen Rang ist Verantwortung,
und Ingenieure wirtschaften damit, als wäre es eine begrenzte Ressource.
--
David Kastrup
Uwe Borchert
Guest
Sun Jun 20, 2010 6:10 pm
Hallo,
Joerg schrieb:
Quote:
Wenn man aber die Zahl der im Arbeitsmarkt registrierten
Ings (also auch die Arbeitslosen mit einberechnet) mit
geschätzen Absolventensummen vergleicht sieht es anders
aus. Oder aber man berechnet aus den aktuellen
Absolventenzahlen und dem gemeldeten Arbeitsmarkt die
durchschnittliche Verweildauer im Arbeitsmarkt. Da liegen
die Zeiten für MINT-Absolventen typischerweise zwischen
2 und 5 Jahren. Selbst LRT kommt nicht mal an die 15
Jahre ran. Von den idealen 30 Jahren (incl. Frühausfälle)
sind alle Fächer ganz weit weg.
2-5 Jahre? ... <am_Kaffee_verschluck> ... Bitte sage dass das ein Scherz
war. Da wuerde sich ein Studum doch ueberhaupt nicht mehr lohnen.
Die Publikationsreihe der BA: Arbeitsmarkt Kompakt -
Arbeitgeberinformationen enthält da Zahlen die auf
diese Verweildauern hindeuten. Nachdem aber viele
erst gar nicht in den Markt reinkommen erhöht sich
natürlich die Dauer der restlichen Absolventen. In
den meisten MINT-Studienfächern langen 2 bis 5
Absolventenjahrgänge um den gesamten, offiziell
registrierten Arbeitsmarkt zu besetzten. Selbst
für die Maschinenbauer sind es noch unter 10. Erst
für LRT wird es zweistellig. Der Schnitt aller
MINT liegt angeblich zwischen 3 und 4.
Aus meinen Notizen:.....................................
Stand 2005 Absolventen
Mathematiker 2.480
Physiker 3.115
------------------------
Summe 5.595
Für Physik-Ingenieure liegen leider keine Angaben
vor. Diese müßten noch zu den Physikern dazugezählt
werden. Als Anzahl der sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigungen für diese Berufsgruppe wird mit
21.372 für das Jahr 2006 angegeben.
.........................................................
Also sind statistisch 4 Jahrgänge in diesem Arbeitsmarkt!
Aktuelle Daten habe ich nicht durchgeackert, aber die
Tendenzen sind seit vielen Jahren fast unverändert.
Der Verbleib von Akademikern im Arbeitsmarkt ... ist
eine interessante Fragestellung. Dummerweise sind die
letzten genauen Untersuchungen in D aus der Zeit um
1980, danach kam nichts mehr ... oder ich bin nur zu
blöd zum Suchen? Um 1980 waren bereits die Hälfte
aller Akademiker nicht mehr im Arbeitsmarkt als
Akademiker auffindbar.
MfG
Uwe Borchert
Thomas Einzel
Guest
Sun Jun 20, 2010 6:11 pm
Uwe Borchert schrieb am 20.06.2010 17:43:
Quote:
Thomas Einzel schrieb:
Joerg schrieb am 20.06.2010 16:53:
Doch es gib einen Mangel an billigen Ingenieuren. Das "billig" wird nur
nicht geschrieben und unhörbar artikuliert.
....
Das uebliche Geschrei. "Hilfeee, wir kriegen keine Leute die 60h/Woche
fuer 3k/Monat schuften!"
Ach?
Die Grenze ist IMHO schon bei 2,5k/Monat oder niedriger. Das
zieht sich gerade durch meinen Bekanntenkreis. Allerdings ist
das nachrangig, bei den Ü40 ist Arbeitslosigkeit schon weiter
verbreitet.
Ich ging von Joergs derzeitiger Heimatwährung US-Dollar aus, was derzeit
bei $6000 ca. 2400 Euro entspricht, bei 60h je Woche für ein
Ingenieurgehalt nicht sehr berauschend oder? Topic "Nachtrag
Ingenieurmangel".
Thomas
Holger
Guest
Sun Jun 20, 2010 6:33 pm
Thomas Einzel schrieb:
Quote:
Auch nach mehrmaligem durchlesen + Vor- und Nachposting habe ich es
nicht verstanden. Was haben µP zwingend mit Waffen zu tun und warum ist
Elektrotechnik (im weitesten Sinn) eines Informatikers unwürdig? (oder
war letzteres nur eine Ausrede?)
Ich habe das auch nicht verstanden und verbuchte es unter Spinnerei. Die
Fiff, das sind die Informatiker für Frieden und gesellschaftlichen
Dingsbums, haben damals festgestellt, daß Cruise Missiles elektronisch
gesteuert werden, mit einer Automatik an Bord. Also war jeder Mensch,
der sich für technische Dinge begeistern kann, ein Waffennarr, der sich
gedankenlos an seinen EPROM-Programmierer setzt und das toll findet,
während auf den Schlachtfeldern elektronisch gesteuerte Waffen gegen
Menschen eingesetzt werden. Das Zeug von diesem Prof war mir nie klar.
Sein Haß auf alles Technische, führte dazu, daß man bei ihm nur lernen
konnte: "Ein Computer ist ein Computer und kein Computer. Er kann als
Computer benutzt werden." Das war der "Werkzeugbegriff von Budde und
Zülinghoven" - Bremens Uni hatte damals den schlechten Ruf der nicht
vorhandenen Ausbildung. Heute, viele Jahrzehnte später, haben sie aber
die E-Techniker in ihr "Technologiezentrum Informatik" integriert. In
den 80ern wurde von den Informatikprofs die Naturwissenschaftler und
Ingenieure wie Parias ausgegrenzt. Das mußten sie in den schließlich
ändern. Es gab massiven Druck von der Landesregierung dazu. Man muß aber
dazu sagen, daß die Profs von damals längst emeritiert sind und heute
belächelt werden - zu spät für damalige Generationen von Studierenden.
Holger
--
Alzheimer ist ganz toll. Man lernt ständig neue Leute kennen.
Klaus Butzmann
Guest
Sun Jun 20, 2010 6:37 pm
Am 20.06.2010 17:12, schrieb Joerg:
Quote:
Ich frage mich immer wieder warum das so ist. Gehen in der
Grossindustrie die Ideen aus?
Hatte die jemals welche?
Quote:
Nicht genug Kleinunternehmer die in Sachen Innovation i.d.R. mehr auf
der Pfanne haben? Erfinderisch sind deutsche Ingenieure schon immer
gewesen, das zeigen ja auch etliche Leute hier in der NG die
Kleinunternehmen oder Ingenieurbueros fuehren.
....und spätestens in zehn Jahren alle in Rente sind.
Ohne wirtschaftlichen Anreiz gibt's keine Gründer, macht aber nichts,
dann bauen wir halt innovative Finanzprodukte.
Butzo
Thomas 'tom' Malkus
Guest
Sun Jun 20, 2010 6:48 pm
Joerg <invalid_at_invalid.invalid> writes:
Quote:
Bei Redakteuren kann ich mir das vorstellen, bei SysAdmins und Chemiker
ist das einfach traurig.
Die c't macht jedes Jahr Gehaltsumfragen bei ihren Lesern.
http://www.heise.de/jobs/artikel/Berufsfelder-791367.html
73 de Tom
--
DL7BJ * DL-QRP-AG #1186 * AGCW-DL #2737 * DARC OV I19 *
http://www.dl7bj.de
Thomas Einzel
Guest
Sun Jun 20, 2010 7:23 pm
Holger schrieb am 20.06.2010 19:33:
Quote:
Thomas Einzel schrieb:
Auch nach mehrmaligem durchlesen + Vor- und Nachposting habe ich es
nicht verstanden. Was haben µP zwingend mit Waffen zu tun und warum
ist Elektrotechnik (im weitesten Sinn) eines Informatikers unwürdig?
(oder war letzteres nur eine Ausrede?)
Ich habe das auch nicht verstanden und verbuchte es unter Spinnerei. Die
Fiff, das sind die Informatiker für Frieden und gesellschaftlichen
Dingsbums, haben damals festgestellt, daß Cruise Missiles elektronisch
gesteuert werden, mit einer Automatik an Bord. Also war jeder Mensch,
der sich für technische Dinge begeistern kann, ein Waffennarr, der sich
gedankenlos an seinen EPROM-Programmierer setzt...
Hätten sie sich wenigstens nicht mit dem Elektronikerteil der
E-Techniker verkracht, hätten die ihnen sicher gern die µP in ihren
Waschmaschienen, Fernsehern, Autos, ... gezeigt. Die erste WaMa mit µP
hatte meine Mutter schon in der Mitte oder Ende der 80er, meine ersten
beiden Kassettendecks dto.
Also hatten auch die o.a. Durcheinanderbringer potentielle
Marschflugkörper im Haus - sie wussten es nur nicht.
Quote:
Sein Haß auf alles Technische, führte dazu, daß man bei ihm nur lernen
konnte: "Ein Computer ist ein Computer und kein Computer. Er kann als
Computer benutzt werden." Das war der "Werkzeugbegriff von Budde und
Zülinghoven"
http://de.wikipedia.org/wiki/Werkzeug-_und_Materialansatz?
Mitleid.
Der einfache Therapieansatz die verhasste Hardware zu entfernen war
vermutlich auf Grund der Machtstrukturen nicht möglich. Man kann ja auch
trefflich Jahrelang mit Struktogrammen ... "informatiken".
Thomas
Axel Berger
Guest
Sun Jun 20, 2010 7:47 pm
*Uwe Borchert* wrote on Sun, 10-06-20 19:10:
Quote:
Erst fnr LRT wird es zweistellig.
LRT?
# Flughafen Lorient Bretagne Sud
# Latest Release Time
# Lebensraumtyp
# Lietuvos nacionalinis radijas ir televizija
# Light Rail Transit
Paßt alles nicht recht. Nach dem Topic der Gruppe kommt am ehesten noch
# Locked Rotor Time
infrage.
Edzard Egberts
Guest
Sun Jun 20, 2010 8:58 pm
David Kastrup schrieb:
Quote:
Edzard Egberts<ed_09_at_tantec.de> writes:
Gedankensprung BP und Ölpest
Bezahlt werden Menschen nämlich nicht nach Leistung oder
Ausbildung, sondern nach gesellschaftlicher Stellung.
Nein, nach der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Ich kann mir Deine Aussage nur so erklären, dass wir über
unterschiedliche Begriffe reden, denn auch der Rest Deines Beitrags ist
mir weit gehend unverständlich.
Wikipedia:
"Verantwortung bedeutet die Möglichkeit, dass eine Person für die Folgen
eigener oder fremder Handlungen Rechenschaft ablegen kann. Sie drückt
sich darin aus, bereit und fähig zu sein, später Antwort auf mögliche
Fragen zu deren Folgen zu geben. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist die
Fähigkeit zur bewussten Entscheidung."
"Rechenschaft" im Wiktionary: Auskunft über bestimmte Gründe,
Handlungen, Umstände oder Verhalten
"Auskunft geben zu können" ist tatsächlich nicht das, was ich mir unter
Verantwortung vorstelle.
Verstehe ich Dich richtig - der Tony Hayward von der BP hat sein
Millioneneinkommen nicht dafür bekommen, dass er Manager war, der z.B.
durch die systematische Missachtung von Sicherheitsvorschriften den
Gewinn gesteigert hat, sondern weil er derjenige ist, der die dummen
Fragen beantworten muss? Ich sehe den Unterschied zum Pressesprecher
nicht. Den sehe ich nur darin, dass Hayward im Club derjenigen Leute
war, die mit Geld zu tun hatten - seine Arbeit hätten wahrscheinlich
viele Leute besser machen können und seine "Verantwortung" hat er auch
nicht wahrgenommen, weil er vor den ganzen Ausschüssen die meisten
Fragen nicht beantworten konnte. Aber Du hast auch von der
"Bereitschaft" gesprochen, nicht dass die Leute dafür bezahlt werden,
solche Fragen tatsächlich beantworten zu können.
Das ergibt für mich alles keinen Sinn, nur die "gesellschaftliche
Stellung" würde ich jetzt so definieren, dass Leute, die viel Geld haben
oder mit viel Geld umgehen, auch viel Geld bekommen - ungeachtet von
Leistungen und Fähigkeiten.
Quote:
Die Verantwortung eines Ingenieurs beruht auf dem Aufwand für eine
tatsächliche Behebung des Schadens, betriebswirtschaftliche
Verantwortung ersetzt die Schadensbehebung mit strategischer Verteilung
von Entschädigungszahlungen, politische Verantwortung ersetzt
Schadensbehebung und Entschädigung mit strategischer Verteilung von
Entschlossenheit und Betroffenheit.
Das erscheint mir ziemlich hintergründig, muss ich mir wohl morgen früh
noch mal ansehen.
Quote:
Die Währung für Gehalt und gesellschaftlichen Rang ist Verantwortung,
und Ingenieure wirtschaften damit, als wäre es eine begrenzte Ressource.
Für die Ingenieure ist es deshalb eine begrenzte Ressource, weil sie an
die Tatsachen gebunden sind, für alle anderen ist das so eine Art
Finanzmarktinstrument, das bei der Weitergabe Geld bringt?
Wir müssen uns irgendwie über "Verantwortung" einig werden. Als
Ingenieur verstehe ich Verantwortung so, dass man für das Risiko eines
Schadens gerade steht und verpflichtet ist, diesen möglichst zu
verhindern, oder einen aufgetretenen Schaden zu beheben.
Das passt aber zu rein gar nichts! Ein Konzern wie BP ist in diesem
Sinne grundsätzlich für nichts verantwortlich. Wenn ein Konzern-Tony
keine Fragen mehr beantworten kann, geht er segeln und ein anderer
Sprecher muss ran. Banken sind nicht für die Gelder der Kunden
"verantwortlich", sondern können Milliardenwerte verheizen und bekommen
die auch noch von denen ersetzt, denen sie geschadet haben. Von
"Regierungsverantwortung" kann man in Deutschland auch nicht sprechen -
die sind alle so lächerlich unfähig, dass ich Politiker fast nicht mehr
für korrupt halte. Das sind jetzt drei Gruppen von Spitzengehältern, bei
denen ich weder sehe, für welche "Leistungen" die bezahlt werden, noch
mir klar ist, worin bei dieser Arbeit die "Übernahme von Verantwortung"
bestehen soll. Als einzige Gemeinsamkeit sehe ich den Umgang mit Geld
und die gesellschaftliche Stellung, der Rest ist Chaos.
Edzard Egberts
Guest
Sun Jun 20, 2010 9:18 pm
Joerg schrieb:
Quote:
Da kommt die Ethik ins Spiel. Man muss auch mal Nein sagen koennen, wenn
man Gefahr sieht. So wie ich Leuten sage, dass ich ein EKG oder sonstwas
nur entwickle wenn es ein defibrillatorsicheres Geraet wird.
Das muss man sich leisten können, Du hattest bisher Glück. Wenn Du
erpressbar bist und Deine Einwände ignoriert werden, sieht die Welt
schon ganz anders aus...
Quote:
Sie WOLLEN die Leute nicht ordentlich bezahlen, sondern eine möglichst
hohe Dividende! Very simple.
Ist kurzsichtig. Z.B. gibt es in Deutschland m.W. schon lange keine
Hardware-Entwicklung im Bereich Medizinscher Ultraschall mehr, alle weg.
Das war mal mein Arbeitsgebiet dort
Nachhaltigkeit steht nicht auf der Agenda des Kapitals, der Begriff
"Heuschrecke" ist nicht umsonst so populär geworden.

(
Es geht eben nur und ausschließlich um Geld und darin sehe ich den
eigentlichen Problempunkt des Kapitalismus, dass Geld kein Mittel zum
Zweck mehr ist, sondern Selbstzweck, der sich selbsständig macht. Ein
Mensch kann ethische Probleme haben, aber Konzerne und Banken werden
nicht nach Ethik, sondern nach Bilanzen geführt. Menschen sind da eher
Rädchen im Getriebe, auch wenn einige davon sehr profitieren.
Joerg
Guest
Sun Jun 20, 2010 9:22 pm
MaWin wrote:
Quote:
"Joerg" <invalid_at_invalid.invalid> schrieb im Newsbeitrag
news:886pfnFbttU1_at_mid.individual.net...
Ich frage mich immer wieder warum das so ist.
Gehen in der Grossindustrie die Ideen aus?
Ja.
Ingenieuer erfinden.
In Grossunternehmen haben aber BWLer das Sagen, die können nicht
erfinden, sondern nur die Produktion kostenmässig optimieren.
http://www.elektroniknet.de/berufkarriere/unternehmensfuehrung/article/26393/
Das ist in kleineren Unternehmen selten, da sind im Vorstand meist
Ingenieure am Ruder. Daher sind diese Unternehmen auch innovativer.
Wobei Ingenieure Gefahr laufen koennen, zu technikverliebt an eine Sache
heranzugehen und ein Projekt weiterzumachen das am Markt nachher kaum
Chancen hat.
Quote:
Nicht genug Kleinunternehmer die in Sachen Innovation
Richtig. Traut sich kaum jemand.
Im Elektronikbereich sind sie abgeschreckt durch undursichtige
Vorschriften von RoHS über WEEE bis Verpackungsverordnung
(obwohl es ja solche Übersichen gibt wie:)
http://www.ce-zeichen.de/klassifizierung.html
Und seit DotCOM platzte, gibt es auch kein Geld mehr für windige
Ideen.
Geld gibt es hier schon, doch im letzten Jahr sind einige Vorschriften
.... lassen wir das lieber, da platzt mir sonst der Kamm ;-)
Quote:
Erfinderisch sind deutsche Ingenieure schon immer gewesen
Na, noch erfinderischer sind Rechtsanwälte, die wachsen nämlich
wie Pilze aus dem Boden, Abmahn-Unrecht und anderem sei Dank,
logische Folge wenn Juristen den gössten Anteil an Politikern
stellen:
http://www.brak.de/seiten/pdf/Statistiken/2009/Entwicklung.pdf
Das ist bei uns ein noch viel traurigeres Kapitel. Ambulance Chasers,
Patent Trolle, und so weiter :-(
Quote:
Die Ingenieurkosten, inklusive meiner, muessen ueber z.B. vier Jahre
amortisiert werden und gehen dabei meist voellig im Rauschen unter.
Bei erfolgreichen Projekten. Bei Misserfolgen (die man auch
mitzählen muss....)
Die muss man mitzaehlen. Aber sie sind bei einem gescheiten Marketing
Forecast eher selten.
--
Gruesse, Joerg
http://www.analogconsultants.com/
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Edzard Egberts
Guest
Sun Jun 20, 2010 9:24 pm
Joerg schrieb:
Quote:
Uwe Borchert wrote:
Wenn man aber die Zahl der im Arbeitsmarkt registrierten
Ings (also auch die Arbeitslosen mit einberechnet) mit
geschätzen Absolventensummen vergleicht sieht es anders
aus. Oder aber man berechnet aus den aktuellen
Absolventenzahlen und dem gemeldeten Arbeitsmarkt die
durchschnittliche Verweildauer im Arbeitsmarkt. Da liegen
die Zeiten für MINT-Absolventen typischerweise zwischen
2 und 5 Jahren. Selbst LRT kommt nicht mal an die 15
Jahre ran. Von den idealen 30 Jahren (incl. Frühausfälle)
sind alle Fächer ganz weit weg.
2-5 Jahre? ...<am_Kaffee_verschluck> ... Bitte sage dass das ein Scherz
war. Da wuerde sich ein Studum doch ueberhaupt nicht mehr lohnen.
Das ist schon länger bekannt - Elektrotechnik studiert zu haben, halte
ich für den größten Fehler meines Lebens.
Joerg
Guest
Sun Jun 20, 2010 9:31 pm
Klaus Butzmann wrote:
Quote:
Am 20.06.2010 17:12, schrieb Joerg:
Ich frage mich immer wieder warum das so ist. Gehen in der
Grossindustrie die Ideen aus?
Hatte die jemals welche?
Doch. Frueher kamen von Siemens und Philips richtig gute Chips. Nur habe
ich nicht viele davon in Designs benutzt weil zum einen der Vertrieb bei
den Nachfolgern inzwischen nicht mehr viel taugt und zum anderen eine
Key Account Denke herrscht wo offenbar Chips rasch abgekuendigt werden
wenn sie nicht mehr in irgendwelche Fernseher kommen. Damit koennen
meine Kunden nicht leben.
Auch heute noch machen die gute Sachen, aber eher bei diskreten
Halbleitern. Infineon bietet gute MOSFETs, aber Muster bekam ich selbst
mit gezueckter Kreditkarte nicht, also ging der Deal an IRF. Pech. NXP
meint, dass man Kunden keine SPICE Modelle zur Verfeugung stellen muss.
Im August wird denen deshalb vermutlich der naechste Deal meinerseits
durch die Lappen gehen.
Quote:
Nicht genug Kleinunternehmer die in Sachen Innovation i.d.R. mehr auf
der Pfanne haben? Erfinderisch sind deutsche Ingenieure schon immer
gewesen, das zeigen ja auch etliche Leute hier in der NG die
Kleinunternehmen oder Ingenieurbueros fuehren.
...und spätestens in zehn Jahren alle in Rente sind.
Die mit denen ich zu tun hatte garantiert nicht. Selbst wenn sie es
finanziell koennten, denen juckt die Technik zu sehr in den Fingern. So
wie mir auch. Ich kannte in Deutschland einen Unternehmer der mit 45 in
den Ruhestand ging. Geld hatte er genug. Nach kurzer Zeit war er wieder
dabei. "Wenn ich jetzt nur noch Golf spiele, da gehe ich kaputt bei"
meinte er.
Quote:
Ohne wirtschaftlichen Anreiz gibt's keine Gründer, macht aber nichts,
dann bauen wir halt innovative Finanzprodukte.
Oh ja, basteln wir Transistor-Derivate :-)
--
Gruesse, Joerg
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Joerg
Guest
Sun Jun 20, 2010 9:33 pm
Thomas Einzel wrote:
Quote:
Uwe Borchert schrieb am 20.06.2010 17:43:
Thomas Einzel schrieb:
Joerg schrieb am 20.06.2010 16:53:
Doch es gib einen Mangel an billigen Ingenieuren. Das "billig" wird nur
nicht geschrieben und unhörbar artikuliert.
...
Das uebliche Geschrei. "Hilfeee, wir kriegen keine Leute die 60h/Woche
fuer 3k/Monat schuften!"
Ach?
Die Grenze ist IMHO schon bei 2,5k/Monat oder niedriger. Das
zieht sich gerade durch meinen Bekanntenkreis. Allerdings ist
das nachrangig, bei den Ü40 ist Arbeitslosigkeit schon weiter
verbreitet.
Ich ging von Joergs derzeitiger Heimatwährung US-Dollar aus, was derzeit
bei $6000 ca. 2400 Euro entspricht, bei 60h je Woche für ein
Ingenieurgehalt nicht sehr berauschend oder? Topic "Nachtrag
Ingenieurmangel".
Aehm, 2400 Euros sind nicht so viele Dollars. Und seit dem griechischen
Fiasko sind es noch etwas weniger geworden als es letztes Jahr gewesen
waeren.
--
Gruesse, Joerg
http://www.analogconsultants.com/
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Joerg
Guest
Sun Jun 20, 2010 9:38 pm
Uwe Borchert wrote:
Quote:
Hallo,
Joerg schrieb:
Wenn man aber die Zahl der im Arbeitsmarkt registrierten
Ings (also auch die Arbeitslosen mit einberechnet) mit
geschätzen Absolventensummen vergleicht sieht es anders
aus. Oder aber man berechnet aus den aktuellen
Absolventenzahlen und dem gemeldeten Arbeitsmarkt die
durchschnittliche Verweildauer im Arbeitsmarkt. Da liegen
die Zeiten für MINT-Absolventen typischerweise zwischen
2 und 5 Jahren. Selbst LRT kommt nicht mal an die 15
Jahre ran. Von den idealen 30 Jahren (incl. Frühausfälle)
sind alle Fächer ganz weit weg.
2-5 Jahre? ... <am_Kaffee_verschluck> ... Bitte sage dass das ein Scherz
war. Da wuerde sich ein Studum doch ueberhaupt nicht mehr lohnen.
Die Publikationsreihe der BA: Arbeitsmarkt Kompakt -
Arbeitgeberinformationen enthält da Zahlen die auf
diese Verweildauern hindeuten. Nachdem aber viele
erst gar nicht in den Markt reinkommen erhöht sich
natürlich die Dauer der restlichen Absolventen. In
den meisten MINT-Studienfächern langen 2 bis 5
Absolventenjahrgänge um den gesamten, offiziell
registrierten Arbeitsmarkt zu besetzten. Selbst
für die Maschinenbauer sind es noch unter 10. Erst
für LRT wird es zweistellig. Der Schnitt aller
MINT liegt angeblich zwischen 3 und 4.
Aus meinen Notizen:.....................................
Stand 2005 Absolventen
Mathematiker 2.480
Physiker 3.115
------------------------
Summe 5.595
Für Physik-Ingenieure liegen leider keine Angaben
vor. Diese müßten noch zu den Physikern dazugezählt
werden. Als Anzahl der sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigungen für diese Berufsgruppe wird mit
21.372 für das Jahr 2006 angegeben.
........................................................
Ok, wenn die 21372 aus Angaben des Finanzministeriums kommen muesste es
in etwa stimmen. Denn nur die wissen das einigermassen sicher.
Krankenkassen vermutlich auch, doch da sind die Daten zerklueftet und
man muss die privaten einbeziehen.
Physiker und Mathematiker sind allerdings auch hier eher selten, ich
meinte E-Technik, Maschinenbau, Luft- und Raumfahrt und so.
Quote:
Also sind statistisch 4 Jahrgänge in diesem Arbeitsmarkt!
Aktuelle Daten habe ich nicht durchgeackert, aber die
Tendenzen sind seit vielen Jahren fast unverändert.
Der Verbleib von Akademikern im Arbeitsmarkt ... ist
eine interessante Fragestellung. Dummerweise sind die
letzten genauen Untersuchungen in D aus der Zeit um
1980, danach kam nichts mehr ... oder ich bin nur zu
blöd zum Suchen? Um 1980 waren bereits die Hälfte
aller Akademiker nicht mehr im Arbeitsmarkt als
Akademiker auffindbar.
Da wird es echt Zeit, dass das BMF mit mehr Statistiken in die Poette
kommt. Denn solche Daten brauchen Politiker zur Entscheidungsfindung.
Oder sollten es zumindest.
--
Gruesse, Joerg
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