Studie zu Studienanfängern...

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Eric Bruecklmeier

Guest
Das ganze Drama:

https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html
 
On 5/1/22 11:27 AM, Eric Bruecklmeier wrote:

> https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html

Wen wundert das? Mathematiker verstehen nur, was sie selbst definiert
haben. Mit der realen Welt, nicht nur mit Elektronik, sind die meisten
hoffnungslos überfordert. Und dann fliegen möglicherweise sehr fähige
Wissenschaftler schon während der Schulzeit wegen schlechter Noten in
höherer Mathematik aus der Weiterbildung raus.

Meine Erfahrung: einem Mathematiker muß man erst die Lösung erklären,
bevor er in der Lage ist, ein Problem zu verstehen :-(

DoDi
 
Am 01.05.2022 um 13:33 schrieb Hans-Peter Diettrich:
On 5/1/22 11:27 AM, Eric Bruecklmeier wrote:

https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html


Wen wundert das? Mathematiker verstehen nur, was sie selbst definiert
haben. Mit der realen Welt, nicht nur mit Elektronik, sind die meisten
hoffnungslos überfordert. Und dann fliegen möglicherweise sehr fähige
Wissenschaftler schon während der Schulzeit wegen schlechter Noten in
höherer Mathematik aus der Weiterbildung raus.

Meine Erfahrung: einem Mathematiker muß man erst die Lösung erklären,
bevor er in der Lage ist, ein Problem zu verstehen :-(

Da hast Du jetzt aber nur einen Teilaspekt aufgegriffen, das Problem
scheint doch deutlich tiefer zu gehen.

Abgesehen davon, läßt sich die Mathenote recht gut mit dem Studienerfolg
in unserem Fach korrelieren. Die Mär vom guten und brauchbaren
Ingenieur, der nur (zufällig) in Mathe nicht sooo gut war ist längst
widerlegt.
 
Eric Bruecklmeier wrote:

Das ganze Drama:
https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html

Ein Teil des Problems liegt eventuell bei den Lehrkräften, die die
Sache so kompliziert und abgehoben wie möglich darstellen. Da
sehen sie doch intelligenter aus. Ich glaube seit langem, dass die
Lehrbücher aus USA viel besser lehren als unsere.

Ein anderer Teil kommt vielleicht daher, dass heute alles, was nicht
\"Freizeit\" ist, als Ausbeutung im Marx\'schen Sinne zu sehen ist,
jedenfalls nach Meinung von zB Gregor Ritchel, den ich heute zum
Teil im WDR5 geniessen musste
https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/philosophisches-radio/gregor-ritschel-100.html
\"Verfügbar bis 25.04.2023. WDR 5\"
https://www.perlentaucher.de/buch/gregor-ritschel/freie-zeit.html
\"Eine Verkürzung der Arbeitszeit kann uns eine sozialere,
kreativere und auch umweltschonendere Welt ermöglichen.
... er denkt über das Homeoffice und \"Bullshit-Jobs\" nach
und empfiehlt bedingungsloses Grundeinkommen und
Teilzeitarbeit\"

Dass man auch aus Interesse und mit dem Willen, etwas zu verstehen
und zu gestalten, arbeiten kann, kommt da nicht vor.

Grüße,
H.
 
Am 01.05.22 um 11:27 schrieb Eric Bruecklmeier:

Das ganze Drama:

https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html

Erinnert mich stark an einen Bremer Hochschullehrer, der Informatik
betreibt, und der fest der Überzeugung ist, die Elektrotechnik sei eines
Informatikers umwürdig. Technikbegeisterung müsse bekämpft werden.

Die Kids habe falsche Vorstellungen vom Fach vermittelt bekommen.
Natürlich hat E-Technik viel mit Schaltungsentwicklung zu tun, auch mit
der Realisierung von Schaltungen und der dahinter stehenden Technik. Und
natürlich auch mit handwerklichen Arbeiten. Den Kids bereits in der
Schule beizubringen, diese seien zu verabscheuen, ist einfach
kontraproduktiv.

Gut, zu meiner Zeit war ein Diodenempfänger für die Mittelwelle ein
einfaches, aber erfolgreiches erstes Bastelprojekt. Heute wären das
Bastelsätze, die LED blinken lassen. Der Diodenempfänger hatte sogar
Gebrauchswert. Die blinkende LED hat den nicht. Dafür gibt es an jeder
Ecke irgendwelche Läden, die Smartphones verticken, die man sich nicht
selbst bauen kann.

Wenn der ganze Elektronikrummel für verhältnismäßig wenig Geld zu haben
ist, wenn sich der Selbstbau auch einer Stereoanlage nicht mehr lohnt,
wenn \"Radiobasteln für Jungen\" völlig uninteressant ist, dann schrumpft
das Interesse an der E-Technik schnell zusammen. Den Zustand haben wir nun.

Holger
 
On 01 May 22 at group /de/sci/electronics in article jd7a2gF7imeU2@mid.individual.net
<u@5i7.de> (Eric Bruecklmeier) wrote:

Die Mär vom guten und brauchbaren Ingenieur, der nur (zufällig) in Mathe
nicht sooo gut war ist längst widerlegt.

Möööp:
Felix Wankel bezeichnete sich selber immer als mathematisches Rindvieh :)



Saludos (an alle Vernünftigen, Rest sh. sig)
Wolfgang

--
Ich bin in Paraguay lebender Trollallergiker :) reply Adresse gesetzt!
Ich diskutiere zukünftig weniger mit Idioten, denn sie ziehen mich auf
ihr Niveau herunter und schlagen mich dort mit ihrer Erfahrung! :p
(lt. alter usenet Weisheit) iPod, iPhone, iPad, iTunes, iRak, iDiot
 
Am 01.05.2022 um 16:21 schrieb Wolfgang Allinger:
On 01 May 22 at group /de/sci/electronics in article jd7a2gF7imeU2@mid.individual.net
u@5i7.de> (Eric Bruecklmeier) wrote:

Die Mär vom guten und brauchbaren Ingenieur, der nur (zufällig) in Mathe
nicht sooo gut war ist längst widerlegt.

Möööp:
Felix Wankel bezeichnete sich selber immer als mathematisches Rindvieh :)

Anekdotische Beweisführung... Klar gibt es Ausnahmen, aber die Regel ist
das eben nicht.
 
Eric Bruecklmeier <u@5i7.de> schrieb:

Das ganze Drama:

https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html

Dafür ist Deutschland Weltspitze in Genderwissenschaften.
 
Am Sun, 1 May 2022 15:50:33 +0200hat Holger <invalid@invalid.invalid>
geäußert:

Am 01.05.22 um 11:27 schrieb Eric Bruecklmeier:

Das ganze Drama:

https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html


Erinnert mich stark an einen Bremer Hochschullehrer, der Informatik
betreibt, und der fest der Überzeugung ist, die Elektrotechnik sei eines
Informatikers umwürdig. Technikbegeisterung müsse bekämpft werden.

Die Kids habe falsche Vorstellungen vom Fach vermittelt bekommen.
Natürlich hat E-Technik viel mit Schaltungsentwicklung zu tun, auch mit
der Realisierung von Schaltungen und der dahinter stehenden Technik. Und
natürlich auch mit handwerklichen Arbeiten. Den Kids bereits in der
Schule beizubringen, diese seien zu verabscheuen, ist einfach
kontraproduktiv.

Gut, zu meiner Zeit war ein Diodenempfänger für die Mittelwelle ein
einfaches, aber erfolgreiches erstes Bastelprojekt. Heute wären das
Bastelsätze, die LED blinken lassen. Der Diodenempfänger hatte sogar
Gebrauchswert. Die blinkende LED hat den nicht. Dafür gibt es an jeder
Ecke irgendwelche Läden, die Smartphones verticken, die man sich nicht
selbst bauen kann.

Wenn der ganze Elektronikrummel für verhältnismäßig wenig Geld zu haben
ist, wenn sich der Selbstbau auch einer Stereoanlage nicht mehr lohnt,
wenn \"Radiobasteln für Jungen\" völlig uninteressant ist, dann schrumpft
das Interesse an der E-Technik schnell zusammen. Den Zustand haben wir nun.
Könnte es sein, dass Du selbst auch nur ein sehr beschränktes Bild von
dem riesigen Feld \"E-Technik\" hast?
Praktisch gibt es keinen Bereich des täglichen Lebens, der nicht von
\"E-Technik\" durchdrungen ist. Die Hardware der IT ist doch nur eine
Eisbergspitze, genauso, wie die Hardware von Audio und Video...
Und wenn diesem riesigen Feld aufgrund anerzogener Technikfeindlichkeit
und Desinteresse der akademische Nachwuchs ausgeht, wird auch allmählich
die Wettbewerbsfähigkeit in fast allen materiellen Produktionsprozessen
und Infrastrukturebenen verloren gehen. Keiner kommt ohne qualitative
\"E-Technik\"-Komponenten oder Verfahrensschritte aus. Von der
Landwirtschaft über Chemie, Hüttenindustrie, Verkehrswesen bis
Energierzeugung und -übertragung. Wenn ein Land davon abhängig wird,
alle qualitäts- und produktivitätsbestimmende Hardware und Verfahren zu
importieren, ist es um seine Identität und Selbstbestimmung schlecht
bestellt.
Die Aspekte der Mehrwertgenerierung und Kapitalverwertung noch völlig
außer Acht gelassen...
Willi
--
Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.
Jean Jaurès, (Frankreich, 1859 - 1914)
Philosoph, Historiker, Abgeordneter, Reformsozialist
 
Am 01.05.2022 um 11:27 schrieb Eric Bruecklmeier:
Das ganze Drama:

https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html

Irgendwie... bin ich nicht überrascht.
--
Thomas
 
Am 01.05.22 um 19:34 schrieb Wilhelm Ernst:
Am Sun, 1 May 2022 15:50:33 +0200hat Holger <invalid@invalid.invalid
geäußert:

Am 01.05.22 um 11:27 schrieb Eric Bruecklmeier:

Das ganze Drama:

https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html


Erinnert mich stark an einen Bremer Hochschullehrer, der Informatik
betreibt, und der fest der Überzeugung ist, die Elektrotechnik sei eines
Informatikers umwürdig. Technikbegeisterung müsse bekämpft werden.

Die Kids habe falsche Vorstellungen vom Fach vermittelt bekommen.
Natürlich hat E-Technik viel mit Schaltungsentwicklung zu tun, auch mit
der Realisierung von Schaltungen und der dahinter stehenden Technik. Und
natürlich auch mit handwerklichen Arbeiten. Den Kids bereits in der
Schule beizubringen, diese seien zu verabscheuen, ist einfach
kontraproduktiv.

Gut, zu meiner Zeit war ein Diodenempfänger für die Mittelwelle ein
einfaches, aber erfolgreiches erstes Bastelprojekt. Heute wären das
Bastelsätze, die LED blinken lassen. Der Diodenempfänger hatte sogar
Gebrauchswert. Die blinkende LED hat den nicht. Dafür gibt es an jeder
Ecke irgendwelche Läden, die Smartphones verticken, die man sich nicht
selbst bauen kann.

Wenn der ganze Elektronikrummel für verhältnismäßig wenig Geld zu haben
ist, wenn sich der Selbstbau auch einer Stereoanlage nicht mehr lohnt,
wenn \"Radiobasteln für Jungen\" völlig uninteressant ist, dann schrumpft
das Interesse an der E-Technik schnell zusammen. Den Zustand haben wir nun.

Könnte es sein, dass Du selbst auch nur ein sehr beschränktes Bild von
dem riesigen Feld \"E-Technik\" hast?

Kannst du dir vorstellen, dass ich nicht in einem Satz die gesamte
E-Technik darstellen kann? Natürlich gibt es da Beschränkungen im Bild!

Holger
 
Am 01.05.2022 um 19:34 schrieb Wilhelm Ernst:

[...]

Und wenn diesem riesigen Feld aufgrund anerzogener Technikfeindlichkeit
und Desinteresse der akademische Nachwuchs ausgeht, wird auch allmählich
die Wettbewerbsfähigkeit in fast allen materiellen Produktionsprozessen
und Infrastrukturebenen verloren gehen. Keiner kommt ohne qualitative
\"E-Technik\"-Komponenten oder Verfahrensschritte aus.

[...]

Das ist genau das Problem, das offensichtlich (auch in der Politik)
niemand sehen möchte. Wir haben jetzt schon einen eklatanten Mangel an
Ingenieuren und das wird die nächsten Jahre garantiert nicht besser werden.

In den USA (die viele Entwicklungen vorweg nehmen) sieht die Situation
oftmals aus, wie hierzulande in den 50ern und 60ern - Aufgaben die
keiner mehr übernehmen möchte, werden von \"Gastarbeitern\" übernommen.
Das geht bis in die Bereiche der akademischen Ausbildung, man braucht
nicht nur mal die Staff Seite einer EE Fakultät irgendeiner beliebigen
Provinzhochschule anschauen. Solange diese Leute anschließend hier
bleiben habe ich damit kein Problem, aber ich fürchte das führt zu einem
massiven \"brain drain\". Wenn die TUM ihre Studienplätze in
Elektrotechnik nur mit Hilfe von 70% ausländischen Studenten voll
bekommt, dann sollte einem das wirklich zu denken geben...

Eine geniale Lösung habe ich allerdings auch nicht parat. Das Problem
wird sich wohl nur gesellschaftlich angehen lassen, aber das würde ein
Bewußtsein für das Problem voraussetzen.
 
On 5/1/22 7:34 PM, Wilhelm Ernst wrote:
Am Sun, 1 May 2022 15:50:33 +0200hat Holger <invalid@invalid.invalid

Wenn der ganze Elektronikrummel für verhältnismäßig wenig Geld zu haben
ist, wenn sich der Selbstbau auch einer Stereoanlage nicht mehr lohnt,
wenn \"Radiobasteln für Jungen\" völlig uninteressant ist, dann schrumpft
das Interesse an der E-Technik schnell zusammen. Den Zustand haben wir nun.

Könnte es sein, dass Du selbst auch nur ein sehr beschränktes Bild von
dem riesigen Feld \"E-Technik\" hast?
Praktisch gibt es keinen Bereich des täglichen Lebens, der nicht von
\"E-Technik\" durchdrungen ist.

Es gibt aber, wie oben dargestellt, keinen Anreiz mehr zum Basteln
eigener Gerätschaften, und damit zum Befassen mit den elektrischen
Grundlagen. Heute muß man sich schon einen Arduino o.ä. anschaffen, um
überhaupt noch mit etwas Elektronik (Schalter, Widerstände, LED...) in
Berührung kommen zu können. Und selbst dann ist der Nutzeffekt der
Basteleien etwa Null. Damit kann man keinen Hund hinter dem Ofen vorlocken.

DoDi
 
Eric Bruecklmeier <u@5i7.de> wrote:

Das ist genau das Problem, das offensichtlich (auch in der Politik)
niemand sehen möchte. Wir haben jetzt schon einen eklatanten Mangel an
Ingenieuren und das wird die nächsten Jahre garantiert nicht besser werden.

Alles super! So koennen wir nie arbeitslos werden. :)

massiven \"brain drain\". Wenn die TUM ihre Studienplätze in
Elektrotechnik nur mit Hilfe von 70% ausländischen Studenten voll
bekommt, dann sollte einem das wirklich zu denken geben...

Also ich laufe ja taeglich auf der RUB rum und da koennte ich das
noch nicht bestaetigen.

Eine geniale Lösung habe ich allerdings auch nicht parat. Das Problem
wird sich wohl nur gesellschaftlich angehen lassen, aber das würde ein
Bewußtsein für das Problem voraussetzen.

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/roman-herzog-die-ruck-rede-im-wortlaut-a-1129316.html

Verdammt, jetzt warten wir schon 25Jahre auf den Ruck und das Antragsformular
dafuer wurde immer noch nicht gefunden.

Olaf
 
Hallo zusammen,
Wen wundert das? Mathematiker verstehen nur, was sie selbst definiert
haben...
Meine Erfahrung: einem Mathematiker muß man erst die Lösung erklären,
bevor er in der Lage ist, ein Problem zu verstehen :-(

Das hat wohl auch etwas mit der völlig antiquierten Form der Ausbildung
zu tun. Was hab ich denn während meines Studiums gepaukt? Fourier- und
Laplacetransformationen gegen die Uhr auf dem Papier von Hand zu lösen.
Gut, manchmal ging es auch um Matrizen und ähnlichem Getier, was man als
Ingenieur tunlichst nie mehr von Hand löst. Dafür gibt es seit vielen
Jahren, selbst zu meiner Studierendenzeit schon, taugliche CAS-Systeme.
Nein, sowas durfte man nie und nimmer einsetzen.... Was hätte man denn
sonst abprüfen sollen?
Ja, Kampfrechnen kann man schön prüfen, hat aber mit der Praxis danach
wenig zu tun.
Nein, Mathe war nie mein Problem, aber ich war im Schreiben schon immer
langsamer als andere. Das ist immer dann ein Problem, wenn es um den
Leistungsaspekt, also um die Zeit geht.
Im Endeffekt wurde geprüft (und deswegen auch gepaukt), Kochrezepte
möglichst schnell auf Papier zu schreiben. Daran hat sich bis heute in
meiner Wahrnehmung wenig geändert. Schlimmer noch: Die Studis wollen das
so, weil sie genau dahin über viele Jahre gedrillt wurden. Mein Ansatz,
des \"Project Based Learnings\" kommt bei meinen Studis gar nicht gut an.
\"Bei Ihnen muss man selbst nachdenken, das war bisher immer verpönt\"
resümierte ein Student, nachdem er in der Klausureinsicht zur Einsicht
gekommen war.

Und das zweite große Problem, das mir die Studis immer wieder schildern:
Sie wissen nicht, was sie fragen sollen. Das wurde bisher gezielt
unterdrückt. Im Unterricht keine Fragen stellen bitte, sonst kommt er
Lehrer nicht mit dem Stoff durch. Und dann stehe ich vor den
Studierenden und hole mit meinem Mantra aus: Ich bin hier, um gefragt zu
werden. Das können Sie nämlich bei Büchern nicht machen.

Das Problem sitzt viel tiefer im Schulwesen. Wenn ich sehe, wer sich das
Lehrerdasein noch antut, hab ich auch wenig Hoffnung.

Marte
 
Hi Hans-Peter,

Wenn der ganze Elektronikrummel für verhältnismäßig wenig Geld zu haben
ist, wenn sich der Selbstbau auch einer Stereoanlage nicht mehr lohnt,
wenn \"Radiobasteln für Jungen\" völlig uninteressant ist, dann schrumpft
das Interesse an der E-Technik schnell zusammen. Den Zustand haben
wir nun.

Es gibt aber, wie oben dargestellt, keinen Anreiz mehr zum Basteln
eigener Gerätschaften, und damit zum Befassen mit den elektrischen

Das war ein echtes Highlight, als eine Studentin beim Anblick des
Arduino-Nanos ins schwärmen kam, was man damit alles machen könnte...
Mit ihrem Papa baut sie seit vielen Jahren noch an einer Modelleisenbahn

Grundlagen. Heute muß man sich schon einen Arduino o.ä. anschaffen, um
überhaupt noch mit etwas Elektronik (Schalter, Widerstände, LED...) in
Berührung kommen zu können. Und selbst dann ist der Nutzeffekt der
Basteleien etwa Null.

Dem ist eindeutig nicht so. Aber man braucht Kreativität und das
Gespräch mit den Studis. Gerade mit den Mikrocontrollern kann man so
viel machen, was die Leute fasziniert.
Im Kurs Mikrocontroller mache ich regelmäßig eine Abstimmung unter den
Studierenden, welches Projekt sie als Prüfungsaufgabe machen wollen: Von
der Steuerung einer Solarthermieanlage zur Beheizung eines Pools bis zur
beleuchteten Jonglierkeule, die ein stehendes Muster in die Rotation
malt, hatten wir schon vieles dabei. Mähroboter aufpimpen ist auch oft
dabei.

Marte
 
Am 02.05.2022 um 13:00 schrieb Marte Schwarz:

Im Endeffekt wurde geprüft (und deswegen auch gepaukt), Kochrezepte möglichst
schnell auf Papier zu schreiben. Daran hat sich bis heute in meiner
Wahrnehmung wenig geändert.

Leider wahr. Besonders schlimm ist es wohl im Medizinstudium wie mir eine
ehemalige Mitschülerin schilderte. Es geht wohl mehr oder weniger
ausschliesslich ums Auswendiglernen.

Schlimmer noch: Die Studis wollen das so, weil sie
genau dahin über viele Jahre gedrillt wurden. Mein Ansatz, des \"Project Based
Learnings\" kommt bei meinen Studis gar nicht gut an.
\"Bei Ihnen muss man selbst nachdenken, das war bisher immer verpönt\"
resümierte ein Student, nachdem er in der Klausureinsicht zur Einsicht
gekommen war.

Kann ich nicht beurteilen aber was soll man denn statt der alten Klausuren
kopieren wenn man selbst nachdenken muß? :-D

Und das zweite große Problem, das mir die Studis immer wieder schildern: Sie
wissen nicht, was sie fragen sollen. Das wurde bisher gezielt unterdrückt. Im
Unterricht keine Fragen stellen bitte, sonst kommt er Lehrer nicht mit dem
Stoff durch. Und dann stehe ich vor den Studierenden und hole mit meinem
Mantra aus: Ich bin hier, um gefragt zu werden. Das können Sie nämlich bei
Büchern nicht machen.

Geht denn das in Deinen Vorlesungen? Ich habe ja an einer kleinen FH studiert
bei der die \"Klassengröße\" sehr übersichtlich wahr, da ging das relativ
problemlos. Bei meinen Söhnen sind die Uni-Vorlesungen mit teils exorbitanter
Hörerzahl.

Das Problem sitzt viel tiefer im Schulwesen. Wenn ich sehe, wer sich das
Lehrerdasein noch antut, hab ich auch wenig Hoffnung.

Ähm, ja, das kommt hinzu. Wusste man schon in der Schule bei welchem Lehrer
man etwas lernen konnte, hat sich das im Studium noch mal verschärft. Das
gipfelte darin, daß der Dozent von E-Technik ein Semester lang irgendwas
vortrug was keiner so richtig verstand. Wir haben dann am Ende mal den
Matheprof gefragt, ob er mit uns ein paar Beispiele aus der E-Technik
durchrechnen könnte. Eine halbe Stunde und allen wurde der ganze Zusammenhang
schlagartig klar.

Bernd
 
On Sun, 1 May 2022 13:33:26 +0200, Hans-Peter Diettrich wrote:
On 5/1/22 11:27 AM, Eric Bruecklmeier wrote:
https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html
Wen wundert das? Mathematiker verstehen nur, was sie selbst definiert
haben.

Ich hoffe, im realen E-Technik-Studium wird weniger redundant gelabert als
Frau Schindlbeck es in ihrem Artikel tut. Kernaussage: Frauen fühlen sich
von Geschlechterklischees und schlechten Lehrern abgeschreckt, dem Rest
fehlt ein klares Berufsbild. Der Absatz:

\"Dabei könnten sich Frauen durchaus für E-Technik-Themen begeistern: 75
Prozent der Mädchen und 33 Prozent der Jungen gaben an, Klimaschutz
interessiere sie sehr; bei der künstlichen Intelligenz sagten das 75
Prozent der Jungen und Mädchen.\"

bringt es unfreiwilligerweise genau auf den Punkt. Am besten noch ein
bißchen was Selbstwirksames mit Medien, d. h. Bilderwelten auf Insta
pushen, für die High Potential Followers, denn das ist doch wohl der USP
des Elektroingenieurs (m/w/d).

Mit der realen Welt, nicht nur mit Elektronik, sind die meisten
hoffnungslos überfordert. Und dann fliegen möglicherweise sehr fähige
Wissenschaftler schon während der Schulzeit wegen schlechter Noten in
höherer Mathematik aus der Weiterbildung raus.

Ich verstehe jetzt zwar nicht direkt, was die reale Welt mit höherer
Mathematik zu tun hat, aber ein bißchen rechnen sollte der angehende
E-Techniker wohl schon können. Mußten ja sogar wir Physiker den Kurs
belegen, obwohl doch jeder weiß, daß 3=5=7.

Volker
 
On 05/01/2022 11:27, Eric Bruecklmeier wrote:
Das ganze Drama:

https://www.elektroniknet.de/karriere/arbeitswelt/nicht-mal-die-mathe-cracks-koennen-was-mit-e-technik-anfangen.195724.html

Wenn ich mir Kinofilme wie \'Mission Impossible\' anschaue, erkenne ich, daß die
Protagonisten überwiegend \'Programmierer\', \'Ingenieure\' oder sogar \'Entwicklungsingenieure\' sind.
Und es gibt viele weitere Blockbuster, wo das so ist.

Die Gattung \'Technischer Action-Film\' gehört zu den wichtigsten und beliebtesten Genres überhaupt.

Wenn ich z.B. an \'Terminator\' denke, ist da eine Heldentruppe, inklusive Frau!, die sich
technisch ausrüstet für einen wichtigen Kampfeinsatz, mit viel technischer Bastelei.
Intensives Maschinenbau- und Elektro-, Elektronik-, IT- und Programmier-KnowHow wird aufgefahren.
Es gibt unzählige Filme dieser Art, mit Riesenerfolgen!

Jedoch in der Realität zählt genau dieses Feld offenbar zum Unbeliebtesten überhaupt!
Es wird stark gemieden.

Das legt nahe, daß die wahren Haupt-Gründe für das intensive Meiden wohl andere sind.


--
Mit freundlichen Grüßen
Helmut Schellong var@schellong.biz
http://www.schellong.de/c.htm http://www.schellong.de/c2x.htm http://www.schellong.de/c_padding_bits.htm
http://www.schellong.de/htm/bishmnk.htm http://www.schellong.de/htm/rpar.bish.html http://www.schellong.de/htm/sieger.bish.html
http://www.schellong.de/htm/audio_proj.htm http://www.schellong.de/htm/audio_unsinn.htm http://www.schellong.de/htm/tuner.htm
http://www.schellong.de/htm/string.htm http://www.schellong.de/htm/string.c.html http://www.schellong.de/htm/deutsche_bahn.htm
http://www.schellong.de/htm/schaltungen.htm http://www.schellong.de/htm/rand.htm http://www.schellong.de/htm/bsd.htm
 
Hi Bernd,

Kann ich nicht beurteilen aber was soll man denn statt der alten
Klausuren kopieren wenn man selbst nachdenken muß? :-D

Neue Schaltungen nehmen, manchmal reicht es schon, die Schaltungen
anders zu zeichnen, um den meisten Studis das Teil als was ganz Neues
verkaufen zu können.

Und das zweite große Problem, das mir die Studis immer wieder
schildern: Sie wissen nicht, was sie fragen sollen. Das wurde bisher
gezielt unterdrückt.
Geht denn das in Deinen Vorlesungen?

Nein, obwohl ich selten über 40 Studis habe, in letzter Zeit eher 10.

> Bei meinen Söhnen sind die Uni-Vorlesungen mit teils exorbitanter Hörerzahl.

Das versuche ich den Studis auch immer wieder zu vermitteln. In meiner
Mathevorlesung waren außer mir noch knapp 500 weitere Studis.

Marte
 

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